Twitter in der Universität
Dienstag, 14. Juli 2009
Nachdem ich zunächst über Twitter als literarisches Genre und folgend die Relevanz des Microbloggingdienstes als neuer Absatzmarkt besprochen habe, geht es diesmal um den Einsatz von Twitter in der wissenschaftlichen Lehre. Das Video zeigt ein Experiment der Historikerin Dr. Monica Rankin, die Twitter innerhalb ihres Seminars einsetzte, um der Möglichkeit einer größeren Partizipation an der Diskussion willen. Mittels eines Tweetdecks, das auf die Leinwand im Hörsaal projeziert wurde, konnten die Studenten neben der verbalen Diskussion auch direkt Kommentare, Ideen und Anmerkungen für alle Kursteilnehmer ersichtlich twittern. Somit öffnete sich nicht nur eine weitere (mediale) Ebene innerhalb der Diskussion, auch die Zahl der an dieser Beteiligten stieg deutlich an. Zumeist verhält es sich tatsächlich so, dass die Beiteiligungsrate bei einem Kurs von 50 Teilnehmern zehn Prozent nicht überschreitet, sprich vier oder fünf Studenten beteiliegen sich aktiv, während der Rest in Passivität verharrt. Dass dies nicht gerade förderlich ist, bedarf keiner weiteren Erwähnung. Unter dem Einsatz von Twitter im universitären Bereich scheint sich also nicht nur die Diskussion zu bereichern und zu dynamisieren, auch bietet das Medium den schüchternen Naturen die Möglichkeit, sich zu dem jeweiligen Diskussionsgegenstand äußern zu können, ohne den Zwang sich vor einem größeren Auditorium zu Wort melden zu müssen. So wird also das Seminar maßgeblich durch die Twitter-Meldungen all jener bereichert, die sonst eher Schweigen würden. Das Experiment war demnach ein voller Erfolg. Ob diese Maßnahme nun in Bezug auf die sonst sich still verhaltenen Kursteilnehmer als nachhaltig produktiv hinsichtlich deren Entwicklung anzusehen ist, muss an dieser Stelle noch offen bleiben. Zumindest könnte man als Negativkritik anbringen, dass man die Schüchternheit zwar kompensiert, jedoch auch fördert, da die direkte verbale Äußerung nun obsolet wird – im Falle der betreffenden Personen. Persönlich halte ich die Einbindung neuer Medien im universitären Bereich, aber auch im schulischen und allen anderen Lehrformen, für äußerst sinnvoll und förderlich, allein schon um die Lernenden mit diesen zu konfrontieren. Hier stellt sich dann ja auch ein sekundärer Lerneffekt ein, nämlich das Erlernen des Umgangs mit den jeweiligen Medien selbst.
Abschließend bleibt noch zu bemerken, dass ich Twitter zunächst sehr skeptisch gegenüberstand, nun aber den Einsatz des Dienstes in den verschiedenen Bereichen des öffentlichen und privaten Lebens nicht nur schätze, sondern auch dessen Flexibilität sehr bewundere. Dass Twitter eine derartige Erfolgsgeschichte schreiben würde, war für mich noch vor Kurzem nicht einsehbar. Besonders der Einsatz von Twitter als politisch wirksames Mittel ist hochinteressant, was die letzten Meldungen aus dem Iran verdeutlichen. In wie fern diese allerdings glaubhaft sind, wo hier genau der schmale Grat zwischen Berichterstattung und Propaganda verläuft, muss auch bei diesem Medium im Einzelfall verhandelt werden. Eines ist jedoch sicher: Die Rasanz, die Unmittelbarkeit der Distribution und die Umgehung zensorischer Maßnahmen zeugen definitiv von einer kommunikativen und medialen Revolution.
Abschließend noch der Hinweis auf eine seriöse Studie über Twitter, basierend auf der Analyse von 11,5 Millionen Twitter Accounts.









