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Von Privatsperren und Pornographen

Donnerstag, 28. Mai 2009

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Diese Woche hat ein Artikel auf Telepolis meine Aufmerksamkeit erregt, der sich mit dem weiteren Kosmos der Internetzensur beschäftigt. Dort wird von dem sog. Jugendschutzprogramm JusProg berichtet, das ein privates Filtersystem anbietet, um die Jugend vor gefährdenden Inhalten zu schützen – im Übrigen als Modellversuch mit staatlicher Unterstützung. Interessant ist hier nun Zweierlei. Erstens, JusProg wird von zwei der größten deutschen Erotikanbieter im Internet betrieben und erfährt weiterreichende Unterstützung vom Bundesverband Erotikhandel e.V. und Bild.de (laut TP) und zweitens, die Sperrliste von Jusprog selbst. Darauf fanden sich u.a. F!XMBR, Spiegelfechter und Schockwellenreiter, der Lawblog, Chaos-Radio auch der AK Vorratsdatenspeicherung, sowie Die Grünen und die Piratenpartei. Die Linke und die NPD wurden mit dem Etikett ab 14 Jahren versehen, wobei SPD, CDU und FDP als nicht jugendgefährdent eingestuft wurden. Die TAZ wurde ebenfalls als jugendgefährdent eingestuft, wie auch selbstredend der Bildblog, im Gegensatz zur BILD (als Unterstützer) selbst, die aber immerhin erst ab 16 zu konsumieren ist.

Hmmm…

Die Zensur traf also vorangig unabhängige Medien, kritische Berichterstatter und, wie im letzteren Falle, ein Korrektiv. Ach ja, Telepolis wurde natürlich auch gelistet. Aber was überrascht es uns, dass kritische Medien, reflektierte Berichterstattung und subversive Ansätze als Schädling für den jungen Geist gelten, ist ein alter Hut und stellen seit jeher die ersten Ziele der Zensur dar. JusProg jedenfalls bietet im Kleinen ein hervorragendes Gegenargument zu dem Internetsperrvorhaben der Bundesregierung und veranschaulicht par excelence, was da auf uns zukommt, sollte selbiges in Kraft treten.

Und wo wir gerade schon dabei sind: Die Petition gegen die Indizierung und Sperrung von Internetseiten hat mittlerweile die 100.000 Grenze geknackt – Herzlichen Glückwunsch! Das BKA hat nun auch die Unsinnigkeit des Sperrlistenverfahrens zugegeben und der Arbeitskreis Zensur hat in beeindruckender Weise vorgemacht, wie es richtig geht.

Und zum Schluss, weil es so schön ist, noch ein Beitrag zur Unkenntnis deutscher Politiker im Umgang mit dem Medium Internet:


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