Artikel-Schlagworte: „Guerilla-Marketing“

Twitter als Absatzmarkt

Dienstag, 7. Juli 2009

In unserer Agentur reden wir uns oft die Stimme heiser, wenn es um die Relevanz von Twitter im Marketing geht. Sicher, die deutsche Twitter-Community ist vergleichsweise noch klein und diese als wichtigen Absatzmarkt zu definieren, wäre zum jetzigen Zeitpunkt sicher übertrieben. Sprich, eine direkte und beträchtliche Gewinnmaximierung durch auf Twitter angebotene Waren ist noch nicht als direkte Folge am Einsatz des Mediums zu belegen. Jedoch handelt es sich hierbei um ein Medium, das stetig an Zuwachs und Einfluss gewinnt, mittels dieses sich demnach auch stetig mehr potentielle Käufer direkt ansprechen lassen. Obwohl nur eine Randnote, ist die kurze Geschichte der Indie-Rock-Musikerin Amanda Palmer sicherlich ein gutes Beispiel für die Verdienstmöglichkeiten, die Twitter in Zukunft in einem sehr viel weiteren Rahmen bieten wird. Die twitternde Musikerin hat es nämlich vollbracht, unter Einsatz von Twitter und wenigen fokussierten Aktionen 19.000 US-Dollar zu verdienen. Funktioniert hat das Ganze folgendermaßen:

Eines Abends startet sie einen Aufruf per Twitter, dem einige hundert ihrer Fans Folge leisten. Sie blödeln alle eine Weile miteinander herum und der sog. Mob kreiert noch am selben Abend die Idee eines T-Shirts mit dem Slogan:

palmer_shirt

Don’t stand up for what’s right, stay in for what’s wrong.

Bereits am nächsten Abend setzt ihr Webdesigner eine Site mit Shop auf, wo das T-Shirt mit besagtem Slogan dann gekauft werden kann. 200 Stück werden nahezu sofort verkauft.

Am nächsten Tag berichtet Palmer auf ihrem Blog über die Aktion und weitere 200 T-Shirts werden abgesetzt.

Einige Tage darauf startet die Musikerin eine Privatauktion, wieder per Twitter, auf der einige ihrer persönlichen Habseeligkeiten versteigert werden, und sie verdient innerhalb von drei Stunden 6.000 US-Dollar.

Zuletzt lädt sie per Twitter zu einem Geheimkonzert ein und verdient noch einmal 2.000 Dollar.

Unterm Strich hat sie mittels Twitter, Blog und einer schnell zusammen geschusterten Website und vier Aktionen (Fangespräch, T-Shirtverkauf, Auktion und Geheimkonzert), für die sie jeweils nur ein paar Stunden ihrer Zeit opferte, 19.000 US-Dollar verdient. Und alles ohne kostspielige Werbemaßnahmen, Managerkosten, Produktionsfirma.

Ihr Kommentar dazu:

Total made this month using twitter= $19.000.

Total made from 30.000 records sales= absolutely nothing.

Schöne Rechnung und ein sehr überzeugendes Argument für alle, die die Marktrelevanz von Twitter und Blogs immer noch nicht wahrhaben wollen.


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Werbung / Teil IV

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Umfunktionierte Werbung

werbung_4

Ein ähnlicher Widerstand gegen Werbung, wie seitens der RAP, ist das sog. adbusting. Hier wird allerdings die Kreativität zum Instrument des Protestes erhoben. Adbusting bedeutet bestehende Werbekampagnen umzufunktionieren, d.h. die Werbung bleibt als Grundlage oder besser als Folie bestehen, wird also nicht zerstört, sondern durch gezielte Veränderungen ihrem Sinn nach ad absurdum geführt und so zweckentfremdet, dass sich die eigentliche Intention der Botschaft gegen sich selbst richtet. Das Prinzip des adbusting stammt aus Amerika, kann grundsätzlich auf alle Medien angewendet werden und ist mittlerweile weltweit zu finden. Die adbustings selbst zeichnen sich durch ihre Vielfältigkeit aus: Von professionellen Designs und eigenen Werbekampagnen über Aktionskunst bis hin zu simplen Graffitis ist alles vertreten. Auch hierbei ist es wichtig den eigentlichen, durch die Werbung verschleierten Kern oder Subtext der Botschaft durch eine kreative Korrektur freizulegen. Eine große Rolle spielt dabei das Image großer Marken gezielt zu sabotieren. Das adbusting eine klar antikapitalistische Weltanschauung proklamiert und auf die unethischen Mechanismen einer Überfluss- und Überproduktionsgesellschaft aufmerksam zu machen gedenkt, die nicht nur sich selbst, sondern auch die in ihr lebenden Menschen (zumindest mental) zu verschlingen droht, bedarf keiner weiteren Erläuterung. Kerninhalt der Bewegung ist ein angestrebter Paradigmenwechsel in der Art und Weise, wie Informationen aufbereitet, ausgesteuert und auf diesem Wege Meinungen produziert werden. Die irritierenden und provozierenden Botschaften des adbusting zielen maßgeblich auf einen Prozess der Bewusstwerdung der Öffentlichkeit ab, der in einem kritischen Diskurs münden soll. Die erste Adresse für adbusting ist das kanadische Magazin http://www.adbusters.org/, von der aus sich das ganze globale Netzwerk der Bewegung erschließen lässt.

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