Klischee und Selbstvermarktung
Dienstag, 9. Dezember 2008Mein Chef bemerkte gestern (zu Recht), dass ich mein Augenmerk fortan mehr auf aktuelle, netzkulturelle Themen richten solle und bat mich, einen Artikel über Netzprominenz zu schreiben. Netzprominenz? Damit sind nicht etwa Prominente gemeint, die auch das Netz zur Prominenzsteigerung nutzen, sondern solche, die ausschließlich über das Internet zu Berühmtheit gelangt sind. Sprich, die Konditionen des Mediums stellen die Konditionen ihrer Berühmtheit. Doch was bedeutet das wiederum? Nach ersten Rechercheansätzen gelangte ich zu folgenden Schlussfolgerungen:
1. Netzprominente können wirklich gar nichts. Nicht singen, nicht tanzen, sie sind weder besonders humorvoll, noch erfreuen sie uns mit intelligenten, Diskurs anregenden Sichtweisen auf die Welt und deren schauspielerische Klasse bewegt sich irgendwo zwischen Trash- und Zombiefilm. (nichts gegen diese Genres!)
2. Die meisten Netzprominenten sind natürlich Züchtungen aus dem Land der unbegrenzten Unterhaltungsmöglichkeiten (nein, nicht China) und rekrutieren sich zumeist aus den Legionen gelangweilter, spätpubertärer Teenager, deren Existenz irgendwo zwischen Telefonorgien, Burger und Sozialnetzwerken verloren gegangen ist.
3. Weibliche Netzprominente entsprechen dem Klischeebild der lebenslustigen, künstlich gebräunten, platinblonden oder brünetten realitysoapb**ch, die zuvorderst darauf bedacht ist, ihr meist gut ausgewachsenes Dekolté in Szene zu setzen, also mit sexuellen Versprechungen zu kokettieren, die sie niemals zu erfüllen gedenkt und deren sinnloses Gelaber so hohl und langweilig ist, dass jeder männliche Zuschauer nach ca. dreißig Sekunden den Ton abstellt und darauf wartet, wann sie sich nun doch endlich ausziehen wird. Aber wie heißt es so schön, die Hoffnung stirbt zuletzt.
4. Das ganze Konzept funktioniert so gut, weil die Massen dumm sind, und auch den letzten, minder produzierten Dreck gierig verschlingen.
So viel zur ersten Bestandsaufnahme. Bei diesen wenigen und kurz gegriffenen Polemiken könnte man es dann auch belassen. Dann stellt sich allerdings die Frage, ob abseits der sexistisch-arroganten, bildungsbürgerlichen Allgemeinplätze noch andere Deutungsmöglichkeiten Geltung erlangen können, und wenn ja, welche?



