Archiv für die Kategorie „Netzwelt“

Von der Straße ins Museum

Dienstag, 16. Juni 2009

Ich habe mir eine kurze Schreibpause aufgrund wochenendlicher Geburtstagsfeierei (“Happy Birthday to me”) gegönnt und bin nun wieder mit frischen Berichten aus der bunten Netzwelt zurück.

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Voller Freude habe ich die Neuigkeit aufgenommen, dass ein von mir hoch geschätzter, kritischer Straßenkünstler, wie ich selbigen mal nennen möchte, seine erste Ausstellung in einem richtigen Museum hat. Banksy stellt im Bristol Museum aus. Vor nicht allzu langer Zeit ging der zwar sehr bekannte, aber den Medien in persona unsichtbare Stadtguerilla in Sachen Kunst noch auf dekonstruktivistische Raubzüge, veränderte, erweiterte und ersetzte den aktuellen Bestand der Museen durch seine Sicht auf die Welt. Nun darf man offiziell und vom Steuerzahler finanziert (wie Banksy selbst betont) gut 100 Stücke seiner neuesten Arbeiten bewundern, die, so drastisch, plakativ und bösartig sie zuweilen auch sein mögen, es doch nie an Ironie und Leerstellen mangeln lassen. Für mich persönlich gilt Banksy als einer der wichtigsten und einflussreichsten Künstler unserer Zeit, und ich möchte seine Arbeiten auf den Straßen und Mauern dieser Welt nicht missen.


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Mein 100.

Mittwoch, 10. Juni 2009

b-fehler

Es ist soweit: Dies ist mein 100. Blogeintrag (auf diesem Blog versteht sich). Schon vor zwei Wochen überlegte ich hin und her, was ich zu meinem Jubiläum nun bloggen werde. Hier die Liste mit Einträgen, die Sie nicht lesen werden:

Lieblingsliste: Das beste Informationsvideo, das schlimmste Video, das meditativste  Bild, das großartigste Projekt, das liebste Kunstobjekt, die grottigste Website, das absurdeste Produkt, das obskurste Fundstück, die schönste Werbung etc.
Endlich die Wahrheit über unser Unternehmen: Die Doppelleben unserer Programmierer, Mittagstischgespräche, Wer hat wann mit Wem, Kloanekdoten und warum ich Glastüren hasse….
Alles, was ich bisher aus sog. politischen Gründen nicht bloggen durfte!
Die wahre Geschichte hinter dem Kennedy-Attentat (immer wieder gut).
99 Wege, mit einem Kaugummi, einem Feuzeug und einem Taschenspiegel die Welt zu retten.
irgendwas über Film.
usw.

Aber da das alles nichts weiter als egomanische Nabelschau ist, und die geneigte Leserschaft auch nicht wirklich viel davon hat, kam es mir sehr gelegen, als ich just heute morgen auf dieses phantastische Gadget gestoßen bin. Leider hatte ich noch keine Zeit, das Ganze in einem Tapestyle zu arrangieren, könnte aber noch folgen. Doch einerlei, die Idee einen Sampler zu machen, wurde meinerseits für gut befunden, da ich so gleichzeitig meinem Narzismus entsprechen, wie auch meine Leserschaft auditiv verwöhnen kann! Und hier ist das Ergebnis: wounded pride in an uncomfortably chair – so dürften sich wohl die meisten Bürobewohner tagtäglich fühlen. Diesen Menschen gilt meine besondere Empathie…

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Konsole als Ganzkörpererlebnis

Freitag, 5. Juni 2009

Was mich wirklich vom Hocker gehauen hat, ist das Projekt Natal von Microsoft, das auf der E3 in Los Angeles erstmals vorgeführt wurde. Zunächst ein Promovideo:


An die Spielekonsole Xbox360 wird einfach das Zusatzgerät Natal angeschlossen. Damit wird jeder weitere Controller hinfällig, da Natal eine Bewegungssteuerung der Spiele (und anderer Anwendungen) durch den ganzen Körper möglich machen soll. Auch Stimmerkennung und -steuerung soll mit dem Zusatzgerät möglich sein. Der Ideengeber zum Projekt ist der Computerspieleentwickler Peter Molyneux, dessen Spiele sich immer wieder durch höchste Kreativität und Interaktion ausgezeichnet haben. Vom Handgelenk zum Ganzkörpererlebnis – da steigt vielleicht sogar ein Prä-Wii-Controller-Feteschist wie ich um.

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Unterhaltung pur

Mittwoch, 3. Juni 2009

Das Absurde, Groteske, Bizarre und Andersartige, zusammengefasst also das Unterhaltende, ist in letzter Zeit etwas auf der Strecke geblieben. Darum gibt es heute eine kleine Melange eigenartiger Netzfunde, die mir so über den Schirm geflimmert sind.

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Zum einen hätten wir da den Kackblog, der, entgegen seines Namens, nicht auf dem Niveau verweilt, wie sein fekalsprachlicher Titel vielleicht vermuten lässt. Hier findet man Geschichten rund ums Klo, seltsame WC-Vorrichtungen und allerhand Bildmaterial, was beweist, dass die ‘Ausscheidungsthematik’ einen mannigfaltigeren Ausdruck im Privaten wie im Öffentlichen findet, als man zunächst vermuten würde. (Keine Angst, dem Haufen an sich begegnet man hier nicht). Außerdem zeichnet sich der Blog durch ein zum Thema kohärentes Design und passende Wortwahl aus – die Artikel werden auf virtuellem Klopapier geschrieben, die personale Kommentarzuordnung lautet: “gekackt von”…

Als nächstes zwei Werbespots von Maggot Operations, eine Filmproduktionsfirma, deren Bildsprache betont surrealistisch ist, deren Geschichten oft ins Absurde abgleiten und jede Menge Satire bieten. Ein Gemisch, dass sich durch den Großteil der hier produzierten Spots zieht. Wieder einmal Werbung, die man auch als sehr kurze Kurzfilme genießen kann. Hier zwei Spots, die das Hochzeitssujet zur Rahmenhandlung haben.



Der Unterhaltungsblog oddee wartet derweil mit abstrusen Top-Zusammenstellungen auf, wie zum Beispiel 12 bizarre Vorrichtungen gegen Autodiebstahl, 12 unglücklich gewählte Produktnamen oder 10 unglaubliche Schlafwandlergeschichten usw. usw… Aber Vorsicht, ein Besuch kann sehr zeitverschlingend sein. Meine persönliche Empfehlung: 15 sexistische Vintage-Printwerbungen.

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Erinnern sie sich noch an das Nokia-Handtelefon-Spiel Snake? Wenn nicht, wird dieser Spot vielleicht Erinnerungen wachrufen, die längst verloren geglaubt…


Hier nochmal in größer und besserer Qualität.

Und zu guter Letzt ein (Flimmerkasten-)Freund meiner Kindheit und der (Polit-)Schrecken meines Erwachsenendaseins in einer Person: Sarko de Funes. Als Hommage an den franz. Komikercholeriker Loius de Funès (der dem kindlichen Gemüt lange vor Southpark die Freude am Furzen näherbrachte) und Persiflage auf den amtierenden Staatspräsidenten der französischen Republik (der so gar keine Freude bereitet) konzipiert, verleiht der Radio-Kabarettist René Steinberg in kurzen Podcasts dieser Kunstfigur gekonnt auditive Existenz und gibt sich dabei humorvoll zeitkritisch. Hier auch zum Beschauen.

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Oh mein Gott!

Dienstag, 2. Juni 2009

Als ich heute meine Emails las, fiel mir eine eigenartige Anzeige in meinem Google-Mail-Account auf:

Stoppen Sie BRAVO – www.Aktion-Kig.de – Petition an Angela Merkel gegen BRAVO. Unterschreiben Sie hier!

Hups, was ist denn das? Ein Klick weiter brachte die Auflösung. Die Anzeige wurde von der Deutschen Vereinigung für eine christliche Kultur (DVCK) e.V. geschaltet, auf deren Aktionsseite ich dann landete.

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Unter dem reißerischen Titel “Kinder in Gefahr” üben hier überzeugte Christenmenschen (katholischer Orientierung) den  “selbstlosen Schutz der geistigen, sozialen und kulturellen Werte der christlich-abendländischen Kultur und Zivilisation, die von einer seit mehr als fünf Jahrhunderte anhaltenden zersetzenden Revolution nach und nach zerstört werden soll.” Und diesem zersetzenden Treiben versuchen sie u.a. mit einer Petition gegen die Zeitschrift BRAVO, einer zweiten gegen das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare und einer dritten zum Schutz christlicher Symbole Einhalt zu gebieten. Im Petitionstext gegen die BRAVO zum Beispiel heisst es, dass dort “jede Woche ein Junge und ein Mädchen splitternackt abgebildet werde, die dabei über ihre Sexualabenteuer berichten”, dass dort so abscheuliche Themen wie “Oralsex” und “Kamasutra” (mit dazugehörigen Erotik- und Nacktfotos!) besprochen werden würden und sogar “sexuelle Perversionen, wie beispielsweise Fesseln und Sadomasochismus” thematisch Geltung erlangen. Wow, ich habe wohl zu lange keine BRAVO mehr in der Hand gehabt. Das von den Nackablichtungen, die eigentlich der Ausbildung einer gesunden wie auch natürlichen Einstellung gegenüber dem Umgang mit der eigenen Sexualität und dem eigenen Körper  dienen sollen, wusste ich ja, aber dass die BRAVO nun auch über Perversionen solchen Ausmaßes berichtet, ist mir neu. In einigen Ausgaben, so die gutgläubigen Christenmenschen, soll sogar “Bizarres”, wie eine Party der Gruppe Tokio Hotel, tatsächlich als “cool” und “toll” dargestellt worden sein! Da hört es dann aber auch wirklich auf, das rechtfertigt ja wohl ein Verbot dieses abscheulich-satanischen Blattes, dem wahrscheinlich der Teufel höchstpersönlich in der wöchentlichen Redaktionssitzung vorstellig ist. Um es mit den Worten der chistlichen Moralhüter zu formulieren: “Gegen diesen Skandal muß ernsthaft etwas unternommen werden [...] damit diesem wahren Massaker an der Kindheit Einhalt geboten werden wird”.

Wer mal herzlich lachen will, dem empfehle ich dringend auch die anderen Petitionstexte dieser Fundamentalistengruppe zu lesen, Texte, voller diskriminierender Stilblüten, angereichert mit einem mehr als widerwärtig ignoranten Weltbild, abgerundet durch das Kinderschutzetikett (Ist im Moment groß in Mode, wer da wohl von wem gelernt hat?) – Das nenne ich gefährlich und bizarr.

Noch eine Frage zum Schluss: Was meinen diese Menschen denn, wenn von einer “seit mehr als fünf Jahrhunderten anhaltenden zersetzenden Revolution”, die unsere christlich-abendländische Kultur zu zerstören trachtet, die Rede ist? Etwa die Erfindung der Drucktechnik durch Gutenberg?

ps. Mein persönlicher Liebling ist das irre gute Werbevideo gegen das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare. Besonders die Formulierung “wir dürfen nicht zulassen, dass die Linken eine Stasi im Kopf der Christen errichten” und die grandiose Kameraarbeit haben es mir angetan…


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