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Gemeinsam trauern wir um die Netzfreiheit
Donnerstag, 18. Juni 2009![]()
Heute beschließt die Bundesregierung die Etablierung einer Zensurinfrastruktur in Deutschland (ich erwehre mich der offiziellen Betitelung “Bekämpfung der Kinderpornographie in Kommunikationsnetzen”). Was die Politik hierzulande in den letzten Monaten dargeboten hat, ist mehr als nur ein schlichtes Trauerspiel. Es wurde auf eindrückliche und sehr beängstigende Weise deutlich gemacht, dass die demokratischen Entscheidungsstellvertreter lediglich Vertreter eigener Interessen und nicht im Mindesten an der politischen Partizipation der Bevölkerung interessiert sind. Die Meinung der 130.000 Petitionsunterzeichner wurde nicht ernstgenommen, ebensowenig wie die manigfachen Expertenwarnungen. Auch die Zer- und Widerlegung nahezu aller Argumente, ob nun statistische, technische oder moralische, die in aller Deutlichkeit das fadenscheinige Vorgehen der Regierung offenbarten, wurde lächelnd missachtet und mit einem leeren Formakt abgetan. Selbst als sich bereits im Vorfeld die dunkelsten Ahnungen der Ausweitung von Zensur weg von Kinderpornographie hin zu anderen Inhalten durch die Ankündigungen von diversen Copyrightlobbyisten, selbsternannten Moralhütern und Kirchenvolk bestätigten, ließ man es mit der Benennung dieser Personen und deren selbstgerechten Motiven als Einzelfallmeinungen bewenden. Immerhin, das Ganze nennt sich jetzt “Spezialgesetz”, ein fünfköpfiges Gremium, dem mindestens drei zum Richteramt Befähigten angehören sollen (tolle Formulierung) und die Beschwichtigung, zufällig auf von Stoppschildern gezierten Seiten Landende werden nicht strafverfolgt, geht als einer der faulsten Kompromisse in die Geschichte deutscher Gesetzgebung ein. Wer den traurigen Anlass nutzen möchte, um sich eine informative Grundlage jenseits polemischer Politkampagnen zu schaffen, empfehle ich die Artikel hier, hier und hier. Auch der folgende Beitrag von Zapp ist zu empfehlen, der die Thematik noch einmal gut aufgearbeitet (ingnoriert man mal die für ein Fernsehmagazin typisch reißerische Einleitung) zusammenfasst.
Die Frage, die nun bleibt, ist: Was tun? Wie können die Mitglieder der Netzgemeinde und harmlose Surfer sich effektiv schützen? Dieser Frage werde ich im Gespräch mit befreundeten Programmierern in nächster Zeit nachgehen, um über sinnvolle Schutzmaßnahmen vor “Denen” zu berichten, die uns schützen wollen. Die Regierungsargumentation würde mich somit schon in das Lager der Straftäter oder Straftaten Fördernden bannen. Verbriefte Freiheitsrechte innerhalb einer funktionierenden Demokratie sind eine schöne Sache, haben allerdings keinen Nutzen, wenn diese zum reinen Formalakt verkommen. Wer wundert sich da noch über Politikverdrossenheit und steigende Zahlen an Nichtwählern?
Jeder muss für sich selbst den Umgang mit einem Medium definieren, welchen Konditionen er sich untertänig machen möchte, welchen nicht. Ich für meinen Teil werde ohne gut funktionierenden Proxy gar nicht mehr im Netz unterwegs sein. Wieder einmal ist die außerparlamentarische Opposition gefragt, wie heute, im Zuge der Mahnwache gegen Internetzensur am Brandenburger Tor in Berlin.
Von der Straße ins Museum
Dienstag, 16. Juni 2009Ich habe mir eine kurze Schreibpause aufgrund wochenendlicher Geburtstagsfeierei (“Happy Birthday to me”) gegönnt und bin nun wieder mit frischen Berichten aus der bunten Netzwelt zurück.
Voller Freude habe ich die Neuigkeit aufgenommen, dass ein von mir hoch geschätzter, kritischer Straßenkünstler, wie ich selbigen mal nennen möchte, seine erste Ausstellung in einem richtigen Museum hat. Banksy stellt im Bristol Museum aus. Vor nicht allzu langer Zeit ging der zwar sehr bekannte, aber den Medien in persona unsichtbare Stadtguerilla in Sachen Kunst noch auf dekonstruktivistische Raubzüge, veränderte, erweiterte und ersetzte den aktuellen Bestand der Museen durch seine Sicht auf die Welt. Nun darf man offiziell und vom Steuerzahler finanziert (wie Banksy selbst betont) gut 100 Stücke seiner neuesten Arbeiten bewundern, die, so drastisch, plakativ und bösartig sie zuweilen auch sein mögen, es doch nie an Ironie und Leerstellen mangeln lassen. Für mich persönlich gilt Banksy als einer der wichtigsten und einflussreichsten Künstler unserer Zeit, und ich möchte seine Arbeiten auf den Straßen und Mauern dieser Welt nicht missen.
Vom Tisch auf den Schirm und wieder zurück
Donnerstag, 11. Juni 2009Das Projekt Natal hat mich ja schon vom Hocker gehauen. Was Ubisoft allerdings auf der E3 vorstellte, hob meinen Enthusiasmus in ungeahnte Höhen: Den Spieletisch Intuiface 2G vom französischen Hersteller Intuilabs, zusammen mit dem Strategiespiel Ruse. Es soll wohl noch nicht so schön wie im Video sein, jedoch erstaunlich nah dran kommen – mehr dazu hier.
Und es bleibt haptisch. Ein Virus, den man gerne auf seinem Notebook sieht, sogar freiwillig installiert: Der Newton-Virus von Troika – eine nette Spielerei…
Und noch eine kurze visuelle Anleitung, wie man Google Earth für künstlerische Ambitionen zweckentfremden kann. Andreas Gursky macht es vor, ich nenne es mal intermediäre Verfremdungsdigitalmalerei.
Mein 100.
Mittwoch, 10. Juni 2009
Es ist soweit: Dies ist mein 100. Blogeintrag (auf diesem Blog versteht sich). Schon vor zwei Wochen überlegte ich hin und her, was ich zu meinem Jubiläum nun bloggen werde. Hier die Liste mit Einträgen, die Sie nicht lesen werden:
Lieblingsliste: Das beste Informationsvideo, das schlimmste Video, das meditativste Bild, das großartigste Projekt, das liebste Kunstobjekt, die grottigste Website, das absurdeste Produkt, das obskurste Fundstück, die schönste Werbung etc.
Endlich die Wahrheit über unser Unternehmen: Die Doppelleben unserer Programmierer, Mittagstischgespräche, Wer hat wann mit Wem, Kloanekdoten und warum ich Glastüren hasse….
Alles, was ich bisher aus sog. politischen Gründen nicht bloggen durfte!
Die wahre Geschichte hinter dem Kennedy-Attentat (immer wieder gut).
99 Wege, mit einem Kaugummi, einem Feuzeug und einem Taschenspiegel die Welt zu retten.
irgendwas über Film.
usw.
Aber da das alles nichts weiter als egomanische Nabelschau ist, und die geneigte Leserschaft auch nicht wirklich viel davon hat, kam es mir sehr gelegen, als ich just heute morgen auf dieses phantastische Gadget gestoßen bin. Leider hatte ich noch keine Zeit, das Ganze in einem Tapestyle zu arrangieren, könnte aber noch folgen. Doch einerlei, die Idee einen Sampler zu machen, wurde meinerseits für gut befunden, da ich so gleichzeitig meinem Narzismus entsprechen, wie auch meine Leserschaft auditiv verwöhnen kann! Und hier ist das Ergebnis: wounded pride in an uncomfortably chair – so dürften sich wohl die meisten Bürobewohner tagtäglich fühlen. Diesen Menschen gilt meine besondere Empathie…





