Archiv für Juni 2009

Unterhaltung pur

Mittwoch, 3. Juni 2009

Das Absurde, Groteske, Bizarre und Andersartige, zusammengefasst also das Unterhaltende, ist in letzter Zeit etwas auf der Strecke geblieben. Darum gibt es heute eine kleine Melange eigenartiger Netzfunde, die mir so über den Schirm geflimmert sind.

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Zum einen hätten wir da den Kackblog, der, entgegen seines Namens, nicht auf dem Niveau verweilt, wie sein fekalsprachlicher Titel vielleicht vermuten lässt. Hier findet man Geschichten rund ums Klo, seltsame WC-Vorrichtungen und allerhand Bildmaterial, was beweist, dass die ‘Ausscheidungsthematik’ einen mannigfaltigeren Ausdruck im Privaten wie im Öffentlichen findet, als man zunächst vermuten würde. (Keine Angst, dem Haufen an sich begegnet man hier nicht). Außerdem zeichnet sich der Blog durch ein zum Thema kohärentes Design und passende Wortwahl aus – die Artikel werden auf virtuellem Klopapier geschrieben, die personale Kommentarzuordnung lautet: “gekackt von”…

Als nächstes zwei Werbespots von Maggot Operations, eine Filmproduktionsfirma, deren Bildsprache betont surrealistisch ist, deren Geschichten oft ins Absurde abgleiten und jede Menge Satire bieten. Ein Gemisch, dass sich durch den Großteil der hier produzierten Spots zieht. Wieder einmal Werbung, die man auch als sehr kurze Kurzfilme genießen kann. Hier zwei Spots, die das Hochzeitssujet zur Rahmenhandlung haben.



Der Unterhaltungsblog oddee wartet derweil mit abstrusen Top-Zusammenstellungen auf, wie zum Beispiel 12 bizarre Vorrichtungen gegen Autodiebstahl, 12 unglücklich gewählte Produktnamen oder 10 unglaubliche Schlafwandlergeschichten usw. usw… Aber Vorsicht, ein Besuch kann sehr zeitverschlingend sein. Meine persönliche Empfehlung: 15 sexistische Vintage-Printwerbungen.

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Erinnern sie sich noch an das Nokia-Handtelefon-Spiel Snake? Wenn nicht, wird dieser Spot vielleicht Erinnerungen wachrufen, die längst verloren geglaubt…


Hier nochmal in größer und besserer Qualität.

Und zu guter Letzt ein (Flimmerkasten-)Freund meiner Kindheit und der (Polit-)Schrecken meines Erwachsenendaseins in einer Person: Sarko de Funes. Als Hommage an den franz. Komikercholeriker Loius de Funès (der dem kindlichen Gemüt lange vor Southpark die Freude am Furzen näherbrachte) und Persiflage auf den amtierenden Staatspräsidenten der französischen Republik (der so gar keine Freude bereitet) konzipiert, verleiht der Radio-Kabarettist René Steinberg in kurzen Podcasts dieser Kunstfigur gekonnt auditive Existenz und gibt sich dabei humorvoll zeitkritisch. Hier auch zum Beschauen.

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Oh mein Gott!

Dienstag, 2. Juni 2009

Als ich heute meine Emails las, fiel mir eine eigenartige Anzeige in meinem Google-Mail-Account auf:

Stoppen Sie BRAVO – www.Aktion-Kig.de – Petition an Angela Merkel gegen BRAVO. Unterschreiben Sie hier!

Hups, was ist denn das? Ein Klick weiter brachte die Auflösung. Die Anzeige wurde von der Deutschen Vereinigung für eine christliche Kultur (DVCK) e.V. geschaltet, auf deren Aktionsseite ich dann landete.

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Unter dem reißerischen Titel “Kinder in Gefahr” üben hier überzeugte Christenmenschen (katholischer Orientierung) den  “selbstlosen Schutz der geistigen, sozialen und kulturellen Werte der christlich-abendländischen Kultur und Zivilisation, die von einer seit mehr als fünf Jahrhunderte anhaltenden zersetzenden Revolution nach und nach zerstört werden soll.” Und diesem zersetzenden Treiben versuchen sie u.a. mit einer Petition gegen die Zeitschrift BRAVO, einer zweiten gegen das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare und einer dritten zum Schutz christlicher Symbole Einhalt zu gebieten. Im Petitionstext gegen die BRAVO zum Beispiel heisst es, dass dort “jede Woche ein Junge und ein Mädchen splitternackt abgebildet werde, die dabei über ihre Sexualabenteuer berichten”, dass dort so abscheuliche Themen wie “Oralsex” und “Kamasutra” (mit dazugehörigen Erotik- und Nacktfotos!) besprochen werden würden und sogar “sexuelle Perversionen, wie beispielsweise Fesseln und Sadomasochismus” thematisch Geltung erlangen. Wow, ich habe wohl zu lange keine BRAVO mehr in der Hand gehabt. Das von den Nackablichtungen, die eigentlich der Ausbildung einer gesunden wie auch natürlichen Einstellung gegenüber dem Umgang mit der eigenen Sexualität und dem eigenen Körper  dienen sollen, wusste ich ja, aber dass die BRAVO nun auch über Perversionen solchen Ausmaßes berichtet, ist mir neu. In einigen Ausgaben, so die gutgläubigen Christenmenschen, soll sogar “Bizarres”, wie eine Party der Gruppe Tokio Hotel, tatsächlich als “cool” und “toll” dargestellt worden sein! Da hört es dann aber auch wirklich auf, das rechtfertigt ja wohl ein Verbot dieses abscheulich-satanischen Blattes, dem wahrscheinlich der Teufel höchstpersönlich in der wöchentlichen Redaktionssitzung vorstellig ist. Um es mit den Worten der chistlichen Moralhüter zu formulieren: “Gegen diesen Skandal muß ernsthaft etwas unternommen werden [...] damit diesem wahren Massaker an der Kindheit Einhalt geboten werden wird”.

Wer mal herzlich lachen will, dem empfehle ich dringend auch die anderen Petitionstexte dieser Fundamentalistengruppe zu lesen, Texte, voller diskriminierender Stilblüten, angereichert mit einem mehr als widerwärtig ignoranten Weltbild, abgerundet durch das Kinderschutzetikett (Ist im Moment groß in Mode, wer da wohl von wem gelernt hat?) – Das nenne ich gefährlich und bizarr.

Noch eine Frage zum Schluss: Was meinen diese Menschen denn, wenn von einer “seit mehr als fünf Jahrhunderten anhaltenden zersetzenden Revolution”, die unsere christlich-abendländische Kultur zu zerstören trachtet, die Rede ist? Etwa die Erfindung der Drucktechnik durch Gutenberg?

ps. Mein persönlicher Liebling ist das irre gute Werbevideo gegen das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare. Besonders die Formulierung “wir dürfen nicht zulassen, dass die Linken eine Stasi im Kopf der Christen errichten” und die grandiose Kameraarbeit haben es mir angetan…


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