Plakatwerbebelästigung

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Seit einiger Zeit schon schmücken die Plakatwerbungen der großen Volksparteien unsere Straßen, oder treffender formuliert, verschandeln diese die Umgebung. Als ich die Druckerzeugnisse zum ersten Mal betrachten durfte, überkam mich nahezu sofort der ästhetische Schüttelfrost. Man ist ja einiges an schlechter Werbung, gerade seitens der Politik, gewohnt, doch was ich da sehen musste, ließ mich wirklich nur noch schaudern. Äußerst unvorteilhaft portraitierte Menschen in langweiligen, stümperhaft zusammen geklatschten Designs, starren den unschuldigen Passanten von ihren hohen Plakatwänden aus an, suggerieren, sie hätten Europa fest im Blick (CDU), wollen mit WUMS für ein besseres Europa einstehen (Die Grünen), diffamieren die anderen Parteien (SPD) oder verorten sich nationalistisch ins Herz Europas (CDU).plakatwerbebelastigung-2plakatwerbebelastigung-3plakatwerbebelastigung-4

(Ich bitte die schlechte Qualität der Bilder zu entschuldigen – hatte nur mein vier Jahre altes Handtelefon dabei)

Der durchschnittliche deutsche Wähler, der ohnehin schon bei Landtags- und Bundestagswahlen argumentativ desorientiert zu den Wahlurnen stolpert, soll nun auch noch seine Stimme für die Europawahl einer der großen Parteien gefügig machen, zur Wahl animiert durch die Abscheulichkeiten hiesiger Plakatwerbung. Wenn die Kampagnenleiter tatsächlich davon ausgehen, dass diese ästhetischen Unzumutbarkeiten auch nur einen Menschen zur Wahl aktivieren können, müssen diese entweder blind oder vom absoluten Unverstand ihrer Kunden überzeugt sein. Und selbst wenn letzteres der Fall ist, ist es äußerst unvorteilhaft, dies auch noch so offenkundig zu formulieren – ein negativeres Marketing kann ich mir eigentlich kaum noch vorstellen.
Zu meiner eigenen Erleichterung durfte ich feststellen, dass ich nicht allein bin, sondern sich auch andere dazu genötigt fühlen, über die unterirdische Kampagnengestaltung zur Europawahl ein paar Worte zu verlieren.

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2 Kommentare zu „Plakatwerbebelästigung“

  1. CK sagt:

    Ja, auch ich äußerte mich an mancherlei Stelle schon, wenn auch sprachlich nicht ganz auf Deinem Niveau, in ähnlicher Weise. Mit persönlich haben es insbesondere die SPD mit ihrer Anti-Werbung und die Grünen mit vielleicht noch ganz guten Ideen in der besch***n Verpackung überhaupt angetan.

    Zur SPD) Eine Werbung, insbesondere zu einer politischen Wahl, ist immer eine Bewerbung beim Kunden/Käufer/Wähler. Bei einer Bewerbung gibt es ein paar Regeln, die man einhalten sollte. Eine ist IMHO ganz besonders wichtig: Die eigenen Vorteile zeigen und nicht alle anderen schlecht machen.
    Wenn mein einziges (Schein-)Argument ist, dass alle anderen schlecht sind, wirft das dann ein gutes Licht auf mich? Wohl eher nicht. Das einzige was ich damit zeige ist, dass ich andere Diffamieren kann. Na, herzlichen Glückwunsch, das wusste nun wirklich jeder schon vorher.

    Zu den Grünen) Vom thematischen Rundumschlag (wir machen alles) mal abgesehen, ist das Verpacken der Nachricht in ein dermaßen plattes, primitives und pseudo-jugendliches Onomatopoetikum in keiner Altersgruppe dem Ansehen der Partei vörderlich.

    Allgemein scheint mir zur Europawahl niemand etwas zu sagen zu haben, dass ihn oder sie vom Rest der (politischen) Welt abgrenzen würde.
    Einzig das Programm der Piratenpartei hat zumindest ein Alleinstellungsmerkmal. Die wollen nämlich das Urheberrecht dergestalt reformieren, dass das herunterladen von Musik aus dem Internet legal wird.
    Sie haben zwar keine Chance, aber eine Meinung!

    Danke.

  2. tm sagt:

    Schön, dass du die WUMS-Kampagne der Grünen als Onomatopoesie beschrieben hast; zur Begrifssklärung:
    deutsch Lautmalerei, Tonmalerei, Schallwort, ist die Nachahmung eines Naturlautes oder eines sonstigen außersprachlichen akustischen Phänomens durch die klanglich als ähnlich empfundene Lautgestalt eines sprachlichen Ausdrucks. Besonders beliebt in Comics.
    Ich persönlich habe *GRMPFL* am Liebsten…

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