Datenkidnapping

Laut Heise haben Kriminelle die Daten von 8 Millionen amerikanischen Schmerzpatienten vom Server des Virginia Prescription Monitoring Program gestohlen und fordern 10 Millionen Lösegeld. Ebenfalls wurde ein klassischer Erpresserbrief auf diesem Server hinterlassen, der mit folgender Zeile eröffnet:

“I have your shit!”

Obwohl mir durchaus bewusst ist, dass Datenklau eine ernste Sache ist und tatsächliche Gegenwerte existieren, muss ich doch immer wieder bei der Vorstellung schmunzeln, was da eigentlich gestohlen wird: ein Abstraktum. Einser und Nuller. Und der Raubzug wird wohl auch nicht von maskierten, für den Fall der Fälle bis an die Zähne bewaffneten Panzerknackern ausgeführt, sondern eher von ein paar gemütlich vor sich hin Pubertierenden, die während ihrer Missetat von Koffein geputscht Musik hören und danach ein paar LAN-Gefechte austragen. Na ja, soviel zur romantischen Vorstellung des Hackers. Aber irgendwie, warum weiss ich auch nicht, es mag an der Gewaltlosigkeit des Verbrechens oder an der anarchistisch schlagenden Hälfte meines Herzens liegen, halte ich instinktiv zu den Kidnappern und wünsche ihnen den gelungenen Abschluß ihrer Operation. Außerdem wird mit den Medizinimperien der westlichen Hemisphäre so viel Geld gemacht, so viel Unheil angerichtet und eine nicht zu unterschätzende Macht ausgeübt, dass 10 Millionen Lösegeld nicht übertrieben wirken. Villeicht entspricht dies eher einer Umverteilung als einem Verbrechen. Hier die Quelle der mutmaßlichen Beeinflußung meines Hackerklischeebildes.


Share

Schlagworte: , ,

Kommentieren