Archiv für Mai 2009

Fundstücke der Woche #8

Sonntag, 31. Mai 2009

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Von Privatsperren und Pornographen

Donnerstag, 28. Mai 2009

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Diese Woche hat ein Artikel auf Telepolis meine Aufmerksamkeit erregt, der sich mit dem weiteren Kosmos der Internetzensur beschäftigt. Dort wird von dem sog. Jugendschutzprogramm JusProg berichtet, das ein privates Filtersystem anbietet, um die Jugend vor gefährdenden Inhalten zu schützen – im Übrigen als Modellversuch mit staatlicher Unterstützung. Interessant ist hier nun Zweierlei. Erstens, JusProg wird von zwei der größten deutschen Erotikanbieter im Internet betrieben und erfährt weiterreichende Unterstützung vom Bundesverband Erotikhandel e.V. und Bild.de (laut TP) und zweitens, die Sperrliste von Jusprog selbst. Darauf fanden sich u.a. F!XMBR, Spiegelfechter und Schockwellenreiter, der Lawblog, Chaos-Radio auch der AK Vorratsdatenspeicherung, sowie Die Grünen und die Piratenpartei. Die Linke und die NPD wurden mit dem Etikett ab 14 Jahren versehen, wobei SPD, CDU und FDP als nicht jugendgefährdent eingestuft wurden. Die TAZ wurde ebenfalls als jugendgefährdent eingestuft, wie auch selbstredend der Bildblog, im Gegensatz zur BILD (als Unterstützer) selbst, die aber immerhin erst ab 16 zu konsumieren ist.

Hmmm…

Die Zensur traf also vorangig unabhängige Medien, kritische Berichterstatter und, wie im letzteren Falle, ein Korrektiv. Ach ja, Telepolis wurde natürlich auch gelistet. Aber was überrascht es uns, dass kritische Medien, reflektierte Berichterstattung und subversive Ansätze als Schädling für den jungen Geist gelten, ist ein alter Hut und stellen seit jeher die ersten Ziele der Zensur dar. JusProg jedenfalls bietet im Kleinen ein hervorragendes Gegenargument zu dem Internetsperrvorhaben der Bundesregierung und veranschaulicht par excelence, was da auf uns zukommt, sollte selbiges in Kraft treten.

Und wo wir gerade schon dabei sind: Die Petition gegen die Indizierung und Sperrung von Internetseiten hat mittlerweile die 100.000 Grenze geknackt – Herzlichen Glückwunsch! Das BKA hat nun auch die Unsinnigkeit des Sperrlistenverfahrens zugegeben und der Arbeitskreis Zensur hat in beeindruckender Weise vorgemacht, wie es richtig geht.

Und zum Schluss, weil es so schön ist, noch ein Beitrag zur Unkenntnis deutscher Politiker im Umgang mit dem Medium Internet:


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Plakatwerbebelästigung

Mittwoch, 27. Mai 2009

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Seit einiger Zeit schon schmücken die Plakatwerbungen der großen Volksparteien unsere Straßen, oder treffender formuliert, verschandeln diese die Umgebung. Als ich die Druckerzeugnisse zum ersten Mal betrachten durfte, überkam mich nahezu sofort der ästhetische Schüttelfrost. Man ist ja einiges an schlechter Werbung, gerade seitens der Politik, gewohnt, doch was ich da sehen musste, ließ mich wirklich nur noch schaudern. Äußerst unvorteilhaft portraitierte Menschen in langweiligen, stümperhaft zusammen geklatschten Designs, starren den unschuldigen Passanten von ihren hohen Plakatwänden aus an, suggerieren, sie hätten Europa fest im Blick (CDU), wollen mit WUMS für ein besseres Europa einstehen (Die Grünen), diffamieren die anderen Parteien (SPD) oder verorten sich nationalistisch ins Herz Europas (CDU).plakatwerbebelastigung-2plakatwerbebelastigung-3plakatwerbebelastigung-4

(Ich bitte die schlechte Qualität der Bilder zu entschuldigen – hatte nur mein vier Jahre altes Handtelefon dabei)

Der durchschnittliche deutsche Wähler, der ohnehin schon bei Landtags- und Bundestagswahlen argumentativ desorientiert zu den Wahlurnen stolpert, soll nun auch noch seine Stimme für die Europawahl einer der großen Parteien gefügig machen, zur Wahl animiert durch die Abscheulichkeiten hiesiger Plakatwerbung. Wenn die Kampagnenleiter tatsächlich davon ausgehen, dass diese ästhetischen Unzumutbarkeiten auch nur einen Menschen zur Wahl aktivieren können, müssen diese entweder blind oder vom absoluten Unverstand ihrer Kunden überzeugt sein. Und selbst wenn letzteres der Fall ist, ist es äußerst unvorteilhaft, dies auch noch so offenkundig zu formulieren – ein negativeres Marketing kann ich mir eigentlich kaum noch vorstellen.
Zu meiner eigenen Erleichterung durfte ich feststellen, dass ich nicht allein bin, sondern sich auch andere dazu genötigt fühlen, über die unterirdische Kampagnengestaltung zur Europawahl ein paar Worte zu verlieren.

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Grenzerfahrung

Mittwoch, 27. Mai 2009

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Frontiers, ein Projekt der österreichischen KünstlerInnengruppe gold extra, die Arbeiten zeitgenössischer Kunst initiieren, kuratieren und produzieren, ist ein kostenloses online multiplayer game der ganz anderen Art. Hier wird man in die Rolle eines Flüchtlings versetzt, der versucht, in die Festung Europa einzudringen. Startpunkt ist entweder das im Süden Algeriens gelegene Hoggargebirge an der Grenze zu Spanien oder der Nordirak an der Grenze zur Türkei. Von da an geht es schlecht ausgerüstet durch unwegsames Gelände, dichte, unbekannte Wildnis voller Gefahren, immer auf der Flucht und steter Begleiter ist die Angst, aufgefasst und zurückgeschickt zu werden. Dann wird man nämlich 600 Kilometer weit von der nächsten Grenze allein in der Sahara ausgesetzt, von wo aus das Spiel erneut startet. Die Aufgabe, oder das Ziel, ist nur durch Zusammenarbeit der Gruppe von Flüchtigen und unkonventionelle Einfälle zu lösen.

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Vom Krieg der Lettern und kopulierenden Kröten

Dienstag, 26. Mai 2009

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Heute auf Werbeblogger entdeckt und vor Staunen den Mund nicht mehr zu bekommen: Die Hamburger Agentur Optix Kreation wird seit fünf Jahren von Creative Director und Motion Designer Andreas Pohl geleitet. Das Portfolio wurde vor Kurzem durch vier frische, international anerkannte Animationsregisseure erweitert. Produziert werden hier Animationen auf höchstem Niveau, die abstrakt wie mutig sind und dabei noch hervorragend konzeptionierte Geschichten erzählen; Werbung, die man auch getrost als unterhaltsamen Kurzfilm schauen kann – Vorhang auf für das Schlachtfeld der Worte und die Verführung des Geldes …



Aus der gleichen Feder stammt u.a. der bekannte Lucky Strike Werbeclip ‘Der Schwarm’, der so manchen Kinozuschauer visuell wohl sehr beeindruckt haben dürfte (besonders, da Kinowerbung sonst eher einer ästhetischen Ödnis gleicht). Außerdem war Andreas Pohl auch der Regisseur des mit dem reddot design award 2008 ausgezeichneten Clip ‘Schriftzeichen’ für Amnesty International Hamburg. Auch aus medienwissenschaftlicher Perspektive kann ich da nur meinen Hut ziehen.


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