What’s in the Box?
Was wir hier und im Folgenden sehen, ist ein höchst professionell gestalteter Kurzfilm, welcher einer Standardfolge irgendeiner US-Amerikanischen Serie gleichen Genres in nichts nach steht. Es handelt sich hierbei um das Abschlußprojekt des holländischen Studenten Tim Smit, der mit einer geschickten Umsetzung gängiger Videospielästhetik à la Half-Life exakt die Sehgewohnheiten einer ganzen Generation von Spiele- und Sciece Fiction Fans spiegelt und mit einem höchst kohärenten Story- und Designkonzept seinen Namen bis in die Gefilde verantwortlicher Hollywoodentscheidungsträger trug. Mit einer derartigen Gestaltung trifft er genau die momentanen Erwartungshaltungen der Fangemeinden und macht, ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt, auf eine interessante Wechselwirkung aufmerksam, nämlich die gegenseitige Durchdringung von Film- und Videospielästhetik. Zum einen wird der Kurzfilm ausschließlich in der Ich-Perspektive erzählt, weist enorm wenige Schnitte auf und lässt den unbekannten Protagonisten durch ein Kulisse sehr naher Zukunftsdystopien fliehen. Die Storyline ist die gleiche wie in nahezu allen Produktionen des Genres der letzten Jahre. Irgendetwas ist passiert, die gewohnte Umgebung ist verwüstet, eine unheilvolle Drohung hängt gleich dem Damoklesschwert über der gesamten Menschheit (Seuche), es gibt ein kurioses Objekt, das nicht in die falschen Hände fallen darf, an den falschen Händen hängen Körper, die den Protagonisten jagen und obendrein: er weiß zuviel. Die an die Ego-Shooter angelehnte Kameraführung ist spätestens seit Blair Witch Projekt in den Kanon der Filmästhetik eingegangen, letzter, einem breiteren Publikum bekannten Ableger war Gloverfield. Das dystopische Setting einer nicht zu fernen Zukunft erfreut sich ebenfalls größter Redundanz, hervorstechendes Beispiel ist wohl das photographisch hervorragende 28 Days Later und das photographisch eher minderwertige Sequel oder I’m Legend. Aber worauf es hier eigentlich ankommt ist, dass Smit mit seinem Abschlussfilm gezeigt hat, wie leicht man mit einer halbwegs ordentlichen Kamera, soliden EDV- und Designkenntnissen sowie einer Investition in Höhe von 500 € den Großproduktionen der Hollywoodstudios Konkurrenz machen kann. Sein Projekt erwies sich als derart gelungen, dass eine Großzahl von Half-Life Fans anfänglich seinen Film als virales Marketing für ein neues Videospiel mißverstanden. Außerdem weiß der Regisseur verdammt gut, wie die genretypische Mythologie funktioniert, was er mit seinen beiden Websites unter Beweis stellt. Was am Ende bleibt, ist die Frage: Was ist in dieser komischen Box? – Antwort: Ein Vertrag für einen cleveren jungen Regisseur über seinen ersten Spielfilm.
Dank an cryptosize für den Link.
tm
Schlagworte: Half Life, Kurzfilm, Science Fiction




24. April 2009 um 15:51 Uhr
Nur 150€ wurden benötigt! Toller Film! Ich warte auf einen Hollywoodfilm von u. mit ihm!
5. Mai 2009 um 15:51 Uhr
[...] einer Digitalkamera, eines heimischen Computers und Leidenschaft möglich ist, hat vor kurzem schon Tim Smit bewiesen. Ich sehe hier besonders die Möglichkeit zu mehr Eigenständigkeit und inhaltlicher wie [...]
14. August 2009 um 18:11 Uhr
Wenn) man auf der niederländischen Seite auf den oberen Teil des Kreises anklickt, startet das Vjdeo, aber danach kommen noch einige ältere Fanvideos.
Sind zwar größtenteils Mist (u.a. ein “japaischer” Horrormovie), aber direkt NACH dem Box-Film kommt der direkte Vorläufer, der wohl ein Urlaubsvideo darstellt, aber doch anders verläuft.
10. Juli 2010 um 01:03 Uhr
Falsch recherchiert – Tim Smit studiert Physik und beschäftigt sich nur als Hobby mit Filmemachen und Spezialeffekten, der Film ist daher nicht sein Abschlussprojekt