Einfach mal wegschauen

einfach_mal_wegschauen

Kennen Sie das? Sie schalten den Fernseher ein und bereits nach einer geschauten Minute setzt ihr Körper Adrenalin frei, wird von starken, aggressiven Anwandlungen geschüttelt, um binnen der nächsten halben Stunde, sofern man nicht den Absprung schaffen sollte, in völlige Depressionen zu versinken. So geht es mir zumindest, wenn ich durch Zufall irgendwo allein mit einem Fernsehgerät gelassen werde (ich habe diese Apparatur vor ca. fünf Jahren erfolgreich aus meinem Leben verbannt).

Nun gehöre ich zu den Menschen, die dem Fernsehen nicht den geringsten kulturellen Wert beimzumessen vermögen, in diesem Medium keine, aber auch wirklich gar keine positive Funktion finden und sich vollkommen Neil Postman’s Vorschlag anschließen: Der Fernseher ist genau für zwei Dinge geeignet – 1. Man kann sich mit dem Rücken gegen selbigen lehnen, um zu lesen, wenn alle anderen Lichtquellen versagen oder 2. Bücher darauf abstellen.

Aus dieser Fundamentalopposition gegen das Fernsehen erklärt sich wiederum, daß ich auch was die Fernsehkritik (sofern nicht wissenschaftlich formuliert) anbelangt, nicht gerade auf neuem Stand bin. Nach Kalkofe und Switch (jetzt reloaded) hörte es bei mir schon auf und das liegt, wie schon erwähnt, einige Jahre in der Vergangenheit. Wer nun tatsächlich noch einen Fernseher besitzen oder ab und an bei Freunden mal dem Flimmerkasten huldigen sollte (natürlich nur, um sich anschließend über Gesehenes aufzuregen), dem wird diese Site sicher zusagen, ist sie doch nicht von so plumper Komik geprägt wie oben genannte “kritische Instanzen” und doch populistisch genug, als dass sie noch unterhaltsam ist. Besonders schön: Zum mitmachen wird eingeladen. Also, ran an den Schneidetisch. Und wer einen gut geschriebenen Blog zu dem Thema Fernsehkritik vorzieht, dem empfehle ich diesen hier. Ansonsten einfach mal wegschauen.

tm

  • Share/Bookmark

Schlagworte: , , , , ,

3 Kommentare zu „Einfach mal wegschauen“

  1. CK sagt:

    Dazu fällt mir noch ein Zitat aus einer meiner Lieblingssendungen ein von damals, als ich noch fern gesehen habe:

    “Und ihr könnt jetzt … na Ihr wisst schon … abschalten.”

    Ich habe den Fernseher aus meinem Leben zwar auch vor 8 Jahren oder so verbannt, aber verdammen möchte ich das Programm deshalb nicht. Genauer: nicht das Gesamte Programm. Sendungen wie Löwenzahn und die Knoff-Hoff Show hatten doch zumindest einen gewissen Anspruch, und haben IMHO Ihren Zweck voll erfüllt.

    Ich denke, dass es so etwas auch heute noch gibt. Es wird nur immer weniger. Aber dank Podcast und Mediatheken kann man sich die interessantesten Sachen auch ohne Fernseher anschauen.

  2. heinrich sagt:

    @CK: dem kann ich nur zustimmen. einige sendungen sind wirklich toll, vor allem wenn man sie werbefrei und ohne zwang zu einem bestimmten zeitpunkt schauen kann.

    @tm: danke für den tollen link, habe gleich zwei folgen gesehen und stimme zu: kann sich durchaus sehen lassen und übertrifft das niveau von einigen erfolgreichen TV-Kritik-magazinen…

    sagt Postman nicht auch, dass der fernseher zu unterhaltungs/zerstreuungszwecken durchaus eine sinnvolle funktion besitzt?
    und einen weiteren positiven punkt möchte ich dem TV gönnen:
    durch bilder lassen sich ferne welten wunderbar in meine kleine welt bringen :-)

    denk nur an WTC oder irakkriege oder auch an gute arte-dokus von untergegangenen kulturen oder fremden lebenswelten bspw. von japanischen mönchen.
    alle diese unterschiedlichen welten haben eines gemeinsam: sie sind einem wesentlich näher, man begreift sie intuitiver durch bewegte bilder. zum guten (gemeinschaftserlebnis der gesamten menschheit), wie zum schlechten (panik oder andere emotionen).

    tm, du bemerkst: ich bin ein mitkämpfer gegen schwarz-weiß-malerei ;-)

  3. tm sagt:

    @heinrich: ich zweifele keinen Moment an deinem Mitkämpfertum, eben weil wir in Diskussionen graduell voneinander abweichen, was die gesellschaftliche Relevanz gewisser Medien angeht. Einen Umstand, den ich sehr schätze, da es den Diskurs gehaltvoller und pluralistischer macht. Wie Nora letztens so schön bemerkte: man müsse aufpassen, dass aus der Allgemeinplatzverweigerung kein Allgemeinplatz wird. Dies passiert mir ab und an schon mal. Ich erinnere mich auch an ein Enzensbergerzitat aus “Mittelmaß und Wahn”, da heißt es (sinngemäß), nähme man der Bevölkerung die Kompensation Fernsehen, so würde der Drogenkonsum und die Gewalttätigkeit in hohem Maße ansteigen. In so fern hat das Fernsehen als Medium eine spezielle Funktion, die kein anderes so gut erfüllen könnte. Aber Vorsicht: Enzensberger verführt bewußt mit subtiler Polemik.

Kommentieren