Wirre Welt der Produkte – Heute: Requiem auf die Frischmilch
Milchskandal!
Fängt gut an, oder? Der Vorfall mag älteren Datums sein, ist aber erst jetzt zu mir durchgedrungen. Und da ich eigentlich zu den Viellesern im Netz gehöre, finde ich es um so eigenartiger, dass ich bis jetzt nichts davon gehört habe. Wovon? Ach ja, kommen wir zum Sachverhalt. Frischmilch war einmal! Haben Sie sich auch schon seit geraumer Zeit gewundert, dass die soeben erstandene Frischmilch plötzlich nicht mehr eine Woche, sondern gleich einen ganzen Monat oder länger haltbar ist? Dieser kurze Aufmerksamkeitsruck befiel mich beim wöchentlichen Milchkauf nun schon sehr oft, doch erst gestern klärte mich ein Freund darüber auf, dass eine schwerwiegende Änderung im Herstellungsverfahren vonstattenging. Die “Frischmilch” die momentan über die Ladentheke großer deutscher Supermarktketten geht, ist sog. ESL-Milch (Extended Shelf Life), ein Produkt, was mittels zwei verschiedener Verfahren hergestellt werden kann: Mikrofiltration und Einfaches Hocherhitzen. Bei Zweiterem soll sich der Geschmack verändern und es zu Vitaminverlust kommen. Proteststürme folgten. Besonderes Problem ist hier, dass die mit diesem Verfahren hergestellte Milch nicht entsprechend gekennzeichnet ist und immer noch als Frischmilch verkauft wird. Das Produkt wurde also ohne entsprechende Aufklärung einfach durch ein anderes ersetzt. Zugespitzt lässt sich behaupten, dass lediglich die Verkäufer dabei gewinnen, da sie weniger Milch bestellen und, im Zuge der neuen Haltbarkeit, unverkaufte vernichten müssen. Der Konsument bleibt auf der Strecke. Sollten Sie also auch in Zukunft Frischmilch kaufen wollen, achten Sie darauf, dass diese traditionell hergestellt worden ist. Ansonsten kaufen Sie nämlich H-Milch im Frischmilchgewand. Verdammt cleverer Produktschwindel!
Weitere Informationen hier und hier.
tm
Schlagworte: Betrug, ESL, Kennzeichnung, Milch, Produkt




26. Februar 2009 um 19:44 Uhr
Rechtslage:
In der EU ist umstritten, ob die durch Fallstromerhitzung behandelte Milch lebensmittelrechtlich gleichzusetzen ist mit pasteurisierter Frischmilch. Einige Länder wie z. B. Österreich oder Italien schreiben ein Verbrauchsdatum von höchstens fünf Tagen nach Abfülldatum für pasteurisierte Frischmilch vor. Anderenfalls dürfe die Milch nicht unter der Bezeichnung „frisch“ vermarktet werden.
Deutschland hingegen unterscheidet explizit zwischen pasteurisierter Frischmilch und durch Hocherhitzung pasteurisierter Milch. Letztere darf dabei ebenfalls den Aufdruck „frisch“ auf dem Etikett tragen, zeichnet sich aber durch eine Haltbarkeit von 15 bis 20 Tagen aus. In der Praxis ist es jedoch häufig so, dass auf den meisten Milchverpackungen pasteurisiert angegeben wird, obwohl der Inhalt hocherhitzt (fallstromerhitzt) wurde.
Eine klare gesetzliche Definition von Frischmilch forderte der Verbraucherzentrale Bundesverband anlässlich einer Bundestagsdebatte zum Thema am 13.02.2009. „Die Bezeichnung Frischmilch sollte der üblichen pasteurisierten Milch vorbehalten bleiben“, erklärt Vorstand Gerd Billen. Die Bundesregierung müsse durch verbindliche Kennzeichnungsvorschriften sicher stellen, dass Verbraucher Frischmilch, H-Milch und ESL-Milch (extended shelf live) auf einen Blick unterscheiden können.
15. März 2009 um 15:28 Uhr
in meinem edeka haben sich soviele leute beschwert, dass es NUR noch die ESL-Milch gab, dass jetzt der besitzer nach neuen liferanten ausschau gehalten hat und mit riesigen flyern (!) darauf aufmerksam macht.
als ich den geschäftsführer fragte, wie es denn ankäme, meinte er sehr gut und das die neuen-alten sorten von regionalen anbietern kämen und nicht teurer wären als die verkappte H-Milch…
GEHT DOCH!
16. März 2009 um 11:57 Uhr
Es lebe die Macht der Konsumenten!
8. April 2009 um 17:13 Uhr
[...] vielen Lügen der Werbeindustrie und des Produktschwindels küren. Für mich persönlich war das Verschwinden der Frischmilch zwar der dreisteste Produktschwindel des Jahres, aber wer will angesichts einer so gelungenen [...]