Zeit und ihre Interpretation
Zeitmessung und -darstellung, das Berechnen von Zeiträumen und Zeitpunkten sowie das Umrechnen zwischen verschiedenen Zeitzonen sind häufigere – und häufig als selbstverständlich angesehene – Tätigkeiten von Computern (bzw. der darauf laufenden Programme). „Das kann ja auch nicht so schwer sein“ ist eine ebenso häufige Annahme von Kunden, aber auch angehenden Entwicklern.
Allerdings ist Zeit die wohl undankbarste aller Einheiten, die man auf einem Computer abbilden muss. Der Computer selbst arbeitet mit binären Zahlen. Das weiß inzwischen wirklich jeder. Der Mensch rechnet selbst lieber im Dezimalsystem. Die Umrechnung zwischen diesen beiden Systemen ist tatsächlich trivial.
Zeit, wird allerdings in einem vollständig anderen und dann auch noch alternierendem System gespeichert. Abhängig vom aktuellen Standort und der jeweiligen Kultur verändert es sich noch einmal. Die Maya zum Beispiel hatten drei unterschiedliche Kalender, um Ihre Tage zu zählen, von denen der längste im Jahr 2012 einmal durchgelaufen sein soll und deshalb die eine oder andere Weltuntergangsvorhersage hervorruft.
Unser gebräuchlicher Kalender, der gregorianische Kalender, ist zwar im Vergleich dazu relativ einfach, aber im Wesentlichen auch nur, weil wir ihn gewohnt sind. Ein Jahr hat 365 Tage. 365 ist keine Grenze in irgendeinem der benutzten Zahlensysteme. Außerdem hat ein Jahr manchmal ja auch 366 Tage.
Außerdem ist es unterteilt in 12 Monate. Zugegebenermaßen gibt es Verfechter des Duodezimalsystems aber richtig durchgesetzt hat es sich trotz seiner Vorteile bisher zumindest noch nicht.
Jeder Monat hat 30 Tage. Oder 31. Oder nur 28. Oder halt manchmal 29. Von der schönen Einheit des Dezimalsystems ist da nicht mehr viel übrig.
Wobei das wahrhaftige Grauen erst in der Einteilung der Tage anfängt. Ein Tag hat 24 Stunden. Diese sind in jeweils 60 Minuten zu jeweils 60 Sekunden unterteilt. Aber: Sommer- und Winterzeit sei dank wiederholen sich manche Stunden, während andere wegfallen. Dazu kommen noch die weniger bekannten Schaltsekunden, die nun wirklich keinem Algorithmus mehr folgen. Schaltjahre sind okay. Jedes durch 4 teilbare Jahr ist ein Schaltjahr. Außer es ist auch durch 400 teilbar. Aber Schaltsekunden werden einfach nur irgendwann festgelegt.
Und das Ganze gilt nur hier. Also in meinem Fall in Aachen, Deutschland. Also bei MEZ bzw. MESZ. In anderen Ländern gibt es andere Regelungen und eine andere Zeitzone.
Trotzdem möchten alle weltweit ungestört kommunizieren. Unternehmen müssen Prozesse abstimmen. Gerade in der IT-Branche geht es dabei manchmal um Sekundenbruchteile.
Deshalb werden für Computer andere Formate verwendet, die einfacher zu verstehen sind (zumindest wenn man ein Computer ist). Die meisten dieser Angaben basieren auf einem Zähler, der in einem festgelegten Takt seit einem bestimmten Datum erhöht wird. Die wohl verbreiteste Art dieser Zeitmessung ist der UNIX-Timestamp, der die Sekunden seit dem 1. Januar 1970 00:00h GMT zählt.
Da dieser Zeitstempel überall auf der Welt gleich ist, kann man damit Computersysteme überall synchronisieren. Allerdings hat auch das seine Grenzen. Zunächst ist ein UNIX-Timestamp nur auf eine Sekunde genau (was durch andere Einheiten aufgefangen wird, wenn es relevant ist) zum anderen wird aber der klassische UNIX-Timestamp am 19. Januar 2038 03:14:07 UTC ablaufen. Da ist nämlich der Speicherplatz einer vorzeichenbehafteten 32 Bit langen Zahl im Binärsystem zu Ende.
Bis dahin fließt noch eine ganze Menge Wasser den Rhein runter und es wird andere Formate geben (wie z.B. die einfache Erweiterung auf 64 Bit). Also kein Grund zur Panik.
Auf der anderen Seite hat das beim Wechsel von 1999 auf 2000 auch niemanden daran gehindert.
Lasst uns bis dahin lieber noch ein paar lustige Daten (ja, das ist der Plural von Datum) feiern. Zum Beispiel erst kürzlich am 14. Februar 2009 00:31:30 UTC, als der UNIX-Timestamp genau 1234567890 war. Oder den 21. Dezember 2012, an dem die Welt untergeht. Oder von Außerirdischen besucht wird. Oder von einem Meteoriten getroffen wird. Oder auch einfach gar nichts passiert. Letzten Endes sind das ja alles nur willkürlich festgelegte Systeme und keine kosmischen Gesetze.
ck
Schlagworte: Dezimalsystem, Duodezimalsystem, Kalender, MESZ, MEZ, Schaltsekunden, UNIX-Timestamp, Zeit



