Wirre Welt der Produkte – Heute: Fruchtbomben

birne_oder_bombe

Vorsicht Polemik! Als ich neulich meinen Schreibtisch entmüllte, fiel mir eine kleine Plastiktüte mit Legobausteinen in die Hände. Auf der Packung war ein Koch, mit verschiedenen Obst- und Gemüsesorten abgebildet. Zunächst galt es herauszufinden, was es mit dem Bausatz auf sich hat.

Es handelt sich hierbei um eine Werbeaktion des Fruchimporteurs und Logistikers capespan, der in Form eines Gewinnspiels (die Konditionen des Spiels sind nicht weiter von Bedeutung) auf die Verfettung und Computerspielesucht deutscher Kinder (nach Angaben des Unternehmens die übergewichtigsten in Europa) aufmerksam machen und die unter dem Motto sowohl “gesunde Ernährung! als auch phantasievolles Spielen kann nicht nur Spaß machen und spannend sein, sondern auch In sein” seine Firma anpreisen will.

Voller Eifer machte ich mich an den Zusammenbau. Nachdem ich die Einzelteile zusammengesetzt hatte, wunderte ich mich doch sehr über die Form des Objektes. Sicher, auf der Packung ist ein Legokoch mit verschiedenen Früchten aus Legosteinen abgebildet, was mich wohl glauben machen soll, es handle sich um ein Nahrungsmittel. Doch lässt man mal die Gelbfärbung weg, sieht mir das Ganze viel eher nach einer Handgranate aus. Und wie leicht wird so ein Koch zum Soldaten, Steven Seagel machte es eindrücklich in dem großartigen Dokumentardrama “Alarmstufe Rot” vor. So fragte ich mich – Birne oder Bombe?

Als einer, die allgemeine Konsumwelt eher misstrauisch Beäugender, kam ich zu folgendem Schluss: Was hier unter dem Deckmantel einer Werbeaktion für Spiel und Gesundheit an Kinder ausgegeben wird und einen pädagogischen Mehrwert heuchelt, ist in Wirklichkeit die Perzeption von Kriegsmitteln, als erster Akt, schon die Kleinsten spielerisch an den Umgang mit Mini-Bomben unterbewusst zu gewöhnen, verschleiert von fruchtig-süßen Versprechungen. Das entspricht einmal mehr den Funktionen der Produktwelt als Einschwörung auf das herrschende System mittels Schablonen (nach dem guten Teddy Adorno) oder der Formulierung, die ich meist in Zusammenhang mit Religion verwende: Hol sie dir, wenn sie jung sind.

Ich bin ja einiges gewohnt, aber dass mein geliebtes Lego nun auf diese infernale Weise zweckentfremdet wird, um kleine Kapitalsoldaten auszubilden, geht doch entschieden zu weit! Dann lieber ehrlich sein und sofort kleine Spreng- und Waffenbausätze austeilen – dann spielt der Herr Papa auch mal wieder mit.

tm

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2 Kommentare zu „Wirre Welt der Produkte – Heute: Fruchtbomben“

  1. Lothar Maier sagt:

    nicht alle Papas spielen nur mit ihren Kindern, weil Spielzeugwaffen vorhanden sind.

    Man sollte die Kreativität der Kindern nicht unterschätzen.

    Wahr ist auch, wenn autoritäre Eltern ihren Kindern Spielzeugwaffen verweigern (Eltern sind doof) bauen sie sich u.a. aus Lego zum Entsetzen der Mutter eine Pistole, nicht wahr tm.

  2. tm sagt:

    Ich meinte an dieser Stelle durchaus echte Waffensets und keine Spielzeugwaffen! Außerdem wollte ich mit dieser Anspielung auf das mangelnde Interesse einiger Elternteile hinweisen, mit ihren Kindern Zeit zu verbringen. Und auf den traurigen Zustand verweisen, dass die meisten Eltern das visuelle Kinderabstellgleis, auch Fernsehen genannt, leider dem kreativen Spiel vorziehen. Sie müssen sich aber nicht gleich persönlich tangiert fühlen, Herr Maier. Ich bin mir sicher, dass Sie ein ganz außergewöhnlicher und glänzender Vater sind!

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