Mißverständnisse, Irreführungen und Übersetzungsfehler.
Prolog
Dramatische Bühne der Kommunikation, der Stoff aus dem Tragödien und Komödien gewebt sind!
Es folgen ein paar Noten zu dem zwischen Entitäten stattfindenden Austausch von Mitteilungen mittels Zeichenverwendung in einem vorher definierten System, um es mal klugscheißend hochgestochen und höchstwahrscheinlich auch teilweise falsch auszudrücken (nutzlose Verkomplizierung eines einfachen Sachverhaltes und leere Abstraktion, wie es unsere allzeit charmante Designerin gerade formuliert hat).
Also, genug der Vorrede, Vorhang auf für ein paar verwirrende Geschichten oder Geschichten der Verwirrung (heute ist alles etwas verworren!) aus eben jenem Bereich.
Erster Akt
Adam, Eva, Sündenfall und Paradies: Diese wohlbekannte Geschichte kann als Allegorie auf die Erfindung der Begriffe (und damit der Sprache) an sich gelesen werden. Das Verspeisen der Frucht vom Baum der Erkenntnis steht für die Aneignung der Gabe, die Dinge der Welt zu bezeichnen, zu differenzieren und sich diese damit Untertan zu machen. Deswegen verloren Adam und Eva das Paradies, da sie fortan nicht mehr mit dem inneren Wesen der Welt im natürlichen Einklang standen, sondern durch die Sprache von ihr geschieden wurden.

Und seitdem haben wir oftmals so unsere Probleme mit den Bezeichnungen, was immer wieder für amüsante Anekdoten, aber auch folgenschwere Mißverständnisse sorgte, wie zum Beispiel…
Zweiter Akt
Der Fall Maria (Mutter Gottes): Die Geschichte der unbefleckten Empfängnis ist ein reiner Übersetzungsfehler – laut dem Journalisten und Autor Jaques Duquesne. Dieser hat in seinem 2004 erschienenen Buch „Maria” darauf hingewiesen, dass aus der in der hebräischen Bibel stehenden Bezeichnung ‚Junge Frau’, bereits in der griechischen Übersetzung ‚Jungfrau’ gemacht wurde. Folgenschwerer Fehler, wenn man bedenkt, dass auf dieser Vorstellung sexuelle Verhaltensnormen gründeten, die seit Jahrhunderten fest in der Gesellschaft verankert sind.
Bezeichnungen bieten allerdings auch ein großes Potenzial für absichtliche Irreführungen, die so manchem schon die Haut gerettet haben:
Dritter Akt
Auf seinen Irrfahrten begegnet Odysseus auf einer Insel dem einäugigen Riesen (Zyklopen) Polyphem, der ihn und seine Männer gefangen nimmt, um sie zu verspeisen. Odysseus gelingt es, sich zu befreien und anschließend Polyphem zu blenden. Dieser ruft die anderen Zyklopen zu Hilfe, die ihn fragen, wer ihn geblendet habe. Da Odysseus sich gegenüber Polyphem mit dem Namen oudeís vorstellte, was übersetzt „Niemand” bedeutet, ruft Polyphem nun seinen Kumpanen zu: „Niemand! Niemand hat mich geblendet”.
Bewußt eingesetzte Namendoppeldeutigkeit verhilft nicht nur mythologischen Helden zur Flucht, sondern sorgt auch für phantastische Filmmomente:
Vierter Akt
In einer Episode in Jim Jarmuschs Film „Night on Earth” trifft ein deutscher Taxifahrer auf einen amerikanischen Passanten in New York. Die beiden freunden sich während der Fahrt an und stellen einander vor: Helmut, was im amerikanischen wie „helmet” klingt und Helm oder Kopfschutz bedeutet, und Yoyo, was im deutschen die Bezeichnung für ein Kinderspielzeug ist. Hieraus entwickelt sich einer der witzigsten Dialoge der Filmgeschichte.
Epilog
Was lernen wir daraus? Gott hat nichts gegen Bildung, Maria dafür Geschlechtsverkehr, wenn Sie einem Zyklopen begegnen, verwenden Sie stets einen doppeldeutigen Namen und schlagen mal die Bedeutung Ihres eigenen Namens auf anderen Sprachen im Lexikon nach.
Und zu guter Letzt noch ein sehr schönes Video über die Zukunft der Kommunikation.
tm
Schlagworte: Adam, Eva, Irreführung, Kommunikation, Maria, Mißverständnis, Night on Earth, Odysseus, Polyphem, Sündenfall, Zukunft




